Mariann Steegmann

Foundation

Förderung von Frauen in der Musik

Komponistinnen, Musikschriftstellerinnen, Mäzeninnen, Musikpädagoginnen, Dirigentinnen etc. werden seit den 1970er Jahren von Wissenschaftler*innen und Intepret*innen wiederentdeckt und aufgeführt. In den Anfangsjahren standen Sammlung, Archivierung und philologische wie biographische Aufarbeitungen von vergessenen Werken und Lebenswegen im Zentrum der „Frauenforschung“. Mehr und mehr rückte dabei die Notwendigkeit einer stärkeren Berücksichtigung von übergreifenden soziokulturellen Fragestellungen in den Blick, was zur Einführung des Begriffs „Genderforschung“ führte.

Die Gender-Perspektive, so der Artikel „Gender Studies“ in Musik in Geschichte und Gegenwart (2008),

richtet „sich auf die historisch wechselnde kulturelle Konstruktion von Geschlecht“ und „zielt darauf, gesellschaftlich geprägte Geschlechterrollen wahrzunehmen, Geschlechterunterschiede zu verstehen und im Sinne eines wissenschaftskritischen Ansatzes Wahrnehmung und Geschlechterrollen zu verändern. […] Gender als das kulturell erworbene und geprägte Geschlecht [… ist] inzwischen eine zentrale historisch-soziale Kategorie, die einen wissenschaftlichen Diskurs über Geschichtsschreibung, über Prozesse von Traditions- und Kanonbildung sowie Einschreibungen in das kulturelle Gedächtnis initiiert hat. […] Die musikwissenschaftlichen Gender Studies bleiben mit dem Ziel einer grundlegenden musikhistoriographischen Revision weiterhin auf der Suche nach einer Musikgeschichte, in der Frauen ein adäquater Platz eingeräumt wird, nehmen […] musikkulturell relevante Geschlechter-Verhältnisse in den Blick und thematisieren die Auswirkungen einer über lange Zeit fast ausschließlich aus männlicher Perspektive geschriebenen Musikgeschichte.“

In diese Phase der Genderforschung fiel die Vorbereitung der im Oktober 2000 gegründeten Mariann Steegmann Foundation: Mit der Stifterin wurde ein Stiftungsprofil für Genderforschung auf dem Gebiet der Kunst- und Musikwissenschaften erarbeitet. Das ermöglichte die Gründung des Forschungszentrums Musik und Gender an der Hochschule für Musik und Theater Hannover (2006) und des Mariann Steegmann Instituts Kunst & Gender (2010) an der Universität Bremen . Beide Einrichtungen haben die Förderung von Frauen in Musik, bzw. von Frauen in der Kunst zum Ziel, widmen sich der Förderung der Gender-Forschung in den Musik-, bzw. Kunstwissenschaften, der Initiierung von Forschungsvorhaben, dem Aufbau einer Studienbibliothek, der Förderung des wissenschaftlichen Austausches sowie des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Diese langjährige institutionelle Förderung wird ergänzt durch die ebenfalls langjährige Förderung von Musik und Gender im Internet an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, inzwischen auch Hochschule für Musik „Franz Liszt“ Weimar.

In einer weiteren Förderlinie werden seit 2007 musikwissenschaftliche Forschungen und Publikationen gefördert. Hierfür können bei der Mariann Steegmann Foundation Mittel beantragt werden. Über die Anträge wird in jährlich zwei Vergabesitzungen entschieden. Dabei bestimmt der bei Gründung der Mariann Steegmann Foundation umrissene Stiftungszweck weiterhin den Förderrahmen. Wie bei der Gründung sieht es die Mariann Steegmann Foundation als ihre Aufgabe, musikbezogene wissenschaftliche Forschung über Geschlechterbeziehungen und die gesellschaftliche, politische und symbolische Ausbildung von Geschlechterdifferenzen zwischen den Menschen zu fördern. Das schließt eine breitere thematische Ausrichtung und Förderung etwa von musikethnologischen Themen, Popularmusikthemen, Forschungen zu Maskulinität und aktuellen Forschungsparadigmen wie Intersektionalität und Diversität nicht aus. Allerdings stehen letztere nicht im Kern des Stiftungsprofils.


Home Vergaberichtlinien